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Rocky war etwas ganz Besonderes, das war auch unserem Frauchen von dem Moment an klar, als sie ihn zum erstenmal zu sehen bekam.
Es erschien ihr wie in den allerschlimmsten Kitschfilmen, wenn gezeigt werden soll wie sich zwei Menschen ineinander verlieben und dann z.B: die Glocken läuten, Feuerwerkskörper explodieren
oder zwei Züge aufeinander prallen. In Frauchen’s Kopf erschienen alle diese Bilder gleichzeitig und noch viele mehr, in dem Moment als Bryony mit Rocky auf dem Arm ins Zimmer kam.
Rosi war einfach überwältigt von der unglaublichen und faszinierenden Ausstrahlung des kleinen Burschen, der ja gerade erst acht Wochen alt war.
Geboren wurde Rocky am 09. August 1986 in der gleichen Zuchtstätte in Schottland, in der auch unser Billy aufgewachsen war.
Er entwickelte sich sehr schnell zu einem wundervollen, kräftigen Rüden mit einem phantastischen Gangwerk und einer Fellfarbe in einem herrlichen, dunklen Braun. Er hatte einen äußerst markanten Kopf und eine dicke,
schokoladenfarbene Nase die einfach zum Knutschen war.
Das Beste an ihm war aber nach wie vor sein Wesen.
Wollte man versuchen es in Worte fassen, würde das Papier nicht ausreichen, um alle Facetten und Besonderheiten seines Charakters widerspiegeln zu können. Unter anderem war er außerordentlich schlau
und hatte einen todsicheren Instinkt. Überlisten oder austricksen ließ er sich nie. Er “roch den Braten” schon lange im voraus und wußte genau, wenn irgend etwas im Busch war. Über ein paar der amüsantesten
Erlebnisse dieser Art werden wir später in dem Kapitel “Episoden” berichten.
Sein besonderer Charme wirkte bei Zwei- und Vierbeinern gleichermaßen stark. Es war jedesmal ein Schauspiel wenn wir Besuch (mit Hunden) bekamen, dann stürzten sich die Vierbeiner
auf Rocky wie der Bär auf den Honig. Sie schleckten ihn ab und beschmusten ihn dermaßen, daß er sich kaum noch retten konnte. Sie begrüßten ihn als seien sie die dicksten Freunde,
dabei hatten ihn die meisten noch nie zuvor gesehen. Rocky selbst tat dabei gar nichts, er saß nur da und ergab sich in sein Schicksal. Seine Wirkung auf Menschen war (wenn überhaupt
möglich) noch bestechender. Fast alle, die das Glück hatten ihn kennen zu lernen, vergötterten und liebten ihn über alle Maßen.
Hier bei uns auf der Hummelwiese hatte Rocky ein wenig den Status ähnlich dem vom “Goldenen Kalb”. Von sich aus kam er äußerst selten mal zum Knuddeln
oder Schmusen - was er ja auch gar nicht nötig hatte, da schließlich alle anderen ständig zu ihm kamen. Trotz alledem war er ein Kumpel durch und durch und immer für uns da.
Rocky genoß jegliche Art von Herausforderung, und wenn es darum ging Unfug zu machen war er stets mit dabei. Wenn Frauchen mit ihm zusammen etwas
ausheckte, konnte man sich auf die verrücktesten Sachen gefaßt machen. Sie bildeten ein unschlagbares Team, wenn es darum ging andere zu verblüffen. Die beiden Schlitzohren paßten zusammen wie “der Pott und sein Deckel”,
Trotz einer gewissen Überheblichkeit und Ignoranz gegenüber der zweibeinigen Familie, war er stets ein zärtlicher Ehemann, stolzer Vater und gut gelaunter
Freund und Kamerad für seine vierbeinige Sippe. Das Größte für ihn war es, dem Nachwuchs jede Menge dummes Zeug beizubringen und das alles auch noch mit fröhlichem Gebell zu untermalen. In nur sechs Jahren
durfte er 37 mal Hochzeit feiern und wurde dadurch zum Vater von insgesamt 248 eigenen Kindern!
Mit seinem Halbbruder Billy verstand er sich prima. Die beiden Jungs waren ein tolles Gespann und ergänzten
sich in jeder Hinsicht hervorragend. Sie fühlten sich nie als Konkurrenten, selbst dann nicht, wenn sich eine Braut ihren Herzallerliebsten auserwählt hatte, oder mehrere unserer Mädchen
auf einmal heiß wurden und sie nicht “ran” durften. Sie lagen auch dann noch dicht zusammen gekuschelt, schmusten ganz lieb miteinander und taten so als gäbe es gar keine Mädels auf der Welt - erst recht keine heißen!.
Nur wenige Monate nachdem Billy seine Reise zur Regenbogenbrücke angetreten hatte, folgte ihm Rocky auf diesen Weg. Ein Lungenkrebs riß ihn aus unserer
Mitte. Es traf uns alle tief ins Herz und tut selbst nach so vielen Jahren immer noch unbeschreiblich weh. Es gab nie einen Freund und Kameraden, der mehr geliebt wurde als unser Rocky, und es wird nie einen
geben den man mehr vermissen wird.
In unserer Wohnküche haben wir ein wunderschönes Portrait
von Rocky hängen, und obwohl es nur ein Bild von ihm ist, wirkt es wie ein Magnet. Die meisten Leute die uns besuchen kommen zieht es dorthin, und sie sind nach wie vor
fasziniert von der enormen Anziehungskraft die auch heute noch von ihm ausgeht. Für uns ist wenigstens ein Trost geblieben, nämlich der, daß wir in seinen zahlreichen Nachkommen deutliche Merkmale
seiner äußeren Erscheinung und zum Glück auch viele Züge seines bezaubernden Wesens wieder finden.
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